Donnerstag, 15. Juni 2017

Von León nach Santiago


Das war sie nun, meine Pilgerreise von León nach Santiago de Compostela. 323,1 km (lt. Reiseführer) waren zu bewältigen und 14 Tage haben wir gebraucht, um ans Ziel zu gelanden. 14 Tage, die nicht immer einfach waren, aber die ich niemals mehr missen möchte...

Doch bevor ich euch jetzt einen kurzen Reisebericht gebe, möchte ich mich erst einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die mir gute Wünsche mit auf den Weg gegeben haben. Ich habe mich sehr darüber gefreut und der Zuspruch hat mich auch noch zusätzlich beflügelt. Das war total lieb von euch: DANKE SCHÖN!

Denn manchmal habe ich mich schon gefragt, warum ich das Ganze in Angriff genommen habe. Was hat man davon, 20 bis 30 Kilometer am Tag bei Regen oder Hitze zu laufen, mit teilweise sehr schmerzenden Füßen und manchmal mit einer Laune, die sich noch unterhalb der Kellersohle befindet? Und was hat man davon, sich ein Bett in einer Pilgerherberge zu suchen, in einem Zimmer mit 23 anderen Personen zu schlafen, auf einer Gummimatratze und den Schnarchgeräuschen von Menschen aus aller Welt zu lauschen?... Also, diese Frage kann nur jeder für sich beantworten. Und meine Antwort darauf ist: Eine ganze Menge!

Okay, auf die Schnarchgeräusche (trotz Ohropax) hätte ich gerne verzichten können und auch darauf, dass manche Pilgerer um fünf Uhr morgens aufstehen, um dann geräuschvoll ihren Rucksack zu packen und mit der Taschenlampe leuchtend ihren Kram zusammensuchen. Und auf die teilweise ziemlich ekeligen sanitären Anlagen auch. Aber auf alles andere nicht! 

Diese Reise war schon ein Erlebnis. Und auch wenn das jetzt vielleicht blöd klingt, so muss ich doch sagen, dass ich ziemlich stolz auf meine Schwester und mich bin, dass wir das so gut gemeistert haben. Und ich bin auch sehr dankbar, dass wir ohne größere Blessuren den Weg hinter uns gebracht haben. Natürlich taten nach einer Etappe mächtig die Beine und auch manchmal der Rücken weh, aber wir konnten immer unseren Weg fortsetzen und mussten nicht pausieren.

Und der Weg war wirklich wunderschön. Wir sind durch die Region Kastilien und León gelaufen und anschließend durch Galicien. Je weiter wir nach Galicien kamen, desto grüner und hügeliger wurde die Landschaft. Teilweise haben wir uns gefragt, ob wir tatsächlich in Spanien sind. Landschaftlich erinnerte es doch schon etwas an das Sauerland. Was mir besonders aufgefallen ist und was mich auch ziemlich erschrocken hat, war der Umstand, dass in den Dörfern, durch die wir gewandert sind, relativ viele Gebäude verlassen und teilweise auch ziemlich verfallen waren. Das hat schon etwas nachdenklich gemacht. Aber ich kann auch schon verstehen, wenn die Menschen nicht in diesen kleinen Dörfer leben möchten, denn teilweise gab es dort wirklich gar nichts. Vielleicht mal ein Geschäftchen oder eine Bar. Also, für mich wäre das auch nichts.

Die Unterbringung in den Herbergen war auch nicht immer einfach. Wir haben die öffentlichen Herbergen gemieden und uns in privaten Herbergen einquartiert. Der Preis pro Bett liegt hier zwischen 5 und 12 Euro pro Nacht. Machmal können auch Doppelzimmer angemietet werden zum Preis von ca. 40 Euro pro Zimmer. Die Anzahl der Betten in den Gemeinschaftsunterkünften war ganz unterschiedlich. Zwischen 4 Betten und 24 Betten war alles dabei. Einmal hatten wir richtig Glück, denn in einer Unterkunft waren sogar 36 Betten in einem Raum, aber wir durften im Nebenraum schlafen, da gab es nur (!) 24 Betten. Manchmal waren die Sanitäranlagen nach Männlein und Weiblein getrennt, gelegentlich aber auch nicht. Wenn es in der Herberge eine Gummimatratze gab, waren wir schon froh, denn diese konnte man mit einem Einmallaken überziehen. Wenn das Bett bereits mit einem Stofflaken bezogen war, hieß es, bloß im Schlafsack bleiben und nicht so viel Körperkontakt mit der Matratze haben. *grins* Ist leider nicht immer gelungen. Zum Glück blieben bei den meisten Herbergen immerhin die Schuhe vor der Zimmertür. Der Sockengeruch allein hat allerdings schon ausgereicht. Hier gehe ich jetzt nicht weiter ins Detail... Manchmal haben meine Schwester und ich einfach nur noch gelacht und uns laut gegenseitig gefragt: WARUM??? WARUM NUR? Ich glaube, mit ein wenig Humor kommt man in manchen Situationen am besten weiter. Und selbst das Wecken durch die geräuschvollen Frühaufsteher um fünf Uhr morgens hatte etwas Positives. So waren wir selbst oft sehr früh unterwegs und haben einige spektakuläre Sonnenaufgänge beobachten dürfen.

Als wir uns dann langsam dem Ziel näherten, konnte ich es gar nicht richtig glauben. Mir taten an dem Tag so dermaßen die Füße und Beine weh, dass ich nur noch ankommen wollte. Die Ankuft in Santiago de Compostela hatte ich mir allerdings irgendwie spektakulärer vorgestellt. Aber das war zu dem Zeitpunkt einfach alles zu viel. Das Gefühl, angekommen zu sein und es tatsächlich geschafft zu haben, war schon toll, aber richtig realisiert habe ich das in dem Moment nicht. Wir haben dann erst einmal 1 1/2 Stunden in der Schlange des Pilgerbüros angestanden, um unsere Compostela zu erhalten und am Abend 1 1/2 Stunde in der Kathedrale gesessen, damit wir zum Gottesdienst einen Sitzplatz hatten. Hätte ich stehen müssen, wäre ich wieder gegangen. Denn an dem Tag ging gar nichts mehr und ich war einfach nur noch am Ende. Den nächsten Tag haben wir dann noch in Santiago verbracht und uns einfach nur treiben lassen und geschaut und genossen.

Vor der Reise hatte ich ja geschrieben, dass ich mich neu sortieren möchte und gedanklich entrümpeln. Also, das ist mir nicht gelungen. In der Zeit habe ich unheimlich viel nachgedacht, aber meine Gedanken drehten sich oft im Kreis. Sicherlich habe schon den einen oder anderen Ansatz gefunden, an dem ich hier zu Hause anknüpfen kann. Aber zu des Pudels Kern bin ich nicht gelangt. Das hatte ich zwar auch nicht unbedingt erwartet, aber doch schon irgendwie gehofft.

Egal, wie auch immer. In Spanien heißt es, dass du auf dem Weg nicht das findest, was du suchst, sondern dass der Weg dir das gibt, was du brauchst. Das lasse ich jetzt erst einmal so stehen und die ganze Reise ein wenig sacken.

Im Anschluss an diesen Text erwarten euch eine ganze Menge Bilder. Wenn ihr mögt, schaut doch mal durch. 

Ich freue mich jetzt auf jeden Fall, dass ich wieder hier bin und ab sofort geht es auf dem Blog auch weiter wie bisher.


Viele Grüße und einen schönen Donnerstag oder teilweise auch Feiertag

Sabine


In Kastilien und León waren sehr viele Stöche mit Nachwuchs zu beobachten

Überall weisen Pfeile den Weg


Hat was von Jugendherberge! 12 Betten und Gummimatratze ;)

Die Schuhe müssen vor dem Schlafraum ausgezogen werden. ZUM GLÜCK!


Gaudípalast in Astorga

Kathedrale in Astorga




Sonnenaufgang


Ich bin auf dem richtigen Weg :)

Molinaseca

Templerburg in Ponferrada



Durch die Weinberge



Villafranca del Bierzo


Schon 140 km geschafft!


Überall verlassene und verfallene Häuser. Erschreckend!

Weiter geht's durch Galicien


Kirche in O Cebreiro






Die Vorfreude ist groß: Bald unter 100 !!!

Galicien ist wunderschön und sehr grün

Ist das Spanien? Ja, tatsächlich.

Sonnenaufgang






Sonnenaufgang

Monto do Gozo. Von hier aus war Santiago zu sehen!

Dem Ziel schon ganz nah

Endlich am Ziel: Kathedrale in Santiago de Compostela



Kommentare:

  1. Ich habe Respekt vor Dir. Alle Achtung. Urlaub wäre das für mich überhaupt nicht. Danke für die vielen tollen Fotos und Eindrücke.
    Schön dass Du wieder da bist :))
    Liebe Grüße Tina

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    1. Du hast recht, das habe ich schon öfter gehört, dass das doch kein Urlaub sei. *grins* So ist eben jeder unterschiedlich.

      Lieben Gruß
      Sabine

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  2. Herzlichen Glückwunsch zu dieser grandiosen persönlichen Leistung. Ich ziehe den Hut vor Dir!

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    1. Danke schön, ich freue mich sehr!

      Lieben Gruß
      Sabine

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  3. Hallo, liebe Sabine! Ich freue mich, dass Du wieder gut zurück gekommen bist. Tolle Bilder - und Du hast Recht, teilweise entsprechen diese gar nicht so dem typischen Spanienbild, was man gewöhnlich vor Augen hat. Das ist halt nun mal Nordspanien und nicht der mediterrane Süden der Reise-Prospekte. Aber dort ist es doch wirklich auch sehr schön, wie man anhand Deiner Photos sieht. Ja, und den Effekt einer solchen Tour soll man wohl auch nicht sofort überbewerten: Es wird selten so sein, dass danach plötzlich alles auf wundersame Weise ganz anders ist. Ich glaube aber, hier ist schon auch der langfristige Wert nicht zu unterschätzen. Und sei es einfach nur mal das Wissen, dass man so etwas Anstrengendes und Schwieriges angegangen ist - und erfolgreich geschafft hat :-). Tzz - alleine mit so vielen Müffel-Socken in einem Raum schlafen zu müssen - urgs *lach*.

    Also komm wieder gut zurück in das heimische Leben :-)

    Liebe Grüße

    Hasi

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    1. Danke, liebe Hasi!

      Deine Worte treffen es auf den Punkt. Der Gedanke oder die Hoffnung, dass dann auf einmal alles anders sei, ist schon irgendwie mal dagewesen. Allerdings hatte ich mich hier im Vorfeld zusammengerissen, weil ich ja eigentlich auch weiß, dass das gar nicht geht.

      Jaaaaa.... die Müffelsocken waren schon so eine Sache für sich. Aber ganz ehrlich: Meine haben auch gemüffelt! Es heißt nämlich, dass man die Socken nicht waschen soll, weil das imprägniert und vor Blasen schützt. Und genau daran habe ich mich gehalten. Ob ich deshalb keine Blase hatte, kann ich nicht sagen, aber bei mir hat es gewirkt... *grins*

      Lieben Gruß
      Sabine

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  4. Du hast allen Grund stolz auf dich zu sein. Das ist eine grossartige Leistung, Sabine. Glückwunsch! Tolle Bilder hast Du mitgebracht, eine schöne Landschaft ist das.
    Liebe Grüße Sabine

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    1. Vielen Dank, liebe Sabine. Es freut mich, dass dir die Bilder gefallen.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  5. Da bist Du wieder! Und Du hast geschafft, was Du wolltest. Was für eine Wanderung - so viele Erlebnisse. Danke für die vielen schönen Bilder. Diese Tour wirst Du sicher niemals vergessen.
    Liebe Grüpe
    Bärbel

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    1. Ganz lieben Dank, liebe Bärbel!

      Ich denke auch, dass das eine Erinnerung für's Leben bleiben wird.

      Lieben Gruß
      Sabine

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  6. Wahnsinn, Hut ab kann ich da nur sagen. Ich wander ja auch gerne, aber am liebsten ohne Gepäck. Den Rucksack mit etwas Proviant für den Tag trägt dann mein Mann ;-). Mit Deinem Rucksack würde ich schon zusammenbrechen. Ich finde es wirklich bewundernswert. So eine Tour wirst Du immer in Erinnerung behalten.
    Schön, dass Du wieder da bist. Ich freue mich auf neue Posts von Dir.
    LG
    Ari Sunshine Blog
    Ari

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    1. Der Rucksack hatte so um die 8 kg. Das sieht gewaltiger aus, als es ist, weil ich ja auch ziemlich klein bin. Irgendwann hatte man sich an das Gewicht gewöhnt. Nur zum Ende einer Etappe gab es dann doch gelegentlich Schulterschmerzen.

      Liebe Grüße und vielen Dank, liebe Ari

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  7. Du kannst stolz auf Dich sein, dass Du das geschafft hast. Diese Eindrücke wirst Du niemals wieder vergessen. Vielleicht musst Du Dich ja gar nicht neu sortieren. Lass es einfach auf Dich zukommen.

    Schöne Bilder hast Du uns mitgebracht.

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Genau das mache ich jetzt auch, liebe Sabine. Die ganze Planerei, auch die, wie man die Probleme am besten angehen soll, bringt manchmal gar nichts. Dann kommt wieder irgendetwas anders. Ich werde es wirklich auf mich zukommen lassen.

      Lieben Gruß
      Sabine

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  8. Herzlichen Glückwunsch! Das muss ein irres Gefühl sein, diesen Weg geschafft zu haben. Ich glaube, beim Pilgern kommt vieles ins Rollen. Sortieren musst du es dann nach und nach. Aber allein das Gefühl, das aus eigener Kraft geschafft und ausgehalten zu haben, macht stark.
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Ja, das macht wirklich gedanklich stark. Aufgeben ist keine Option! Das war es auf dem Weg nicht und das habe ich mir auf die Fahnen geschrieben.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  9. Were you on the road to Santiago, in my country? I am very happy to know that we share a passion for hiking, as well as for fashion. Beautiful photos, magnificent report, and a stylish hiker!

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    1. Yes, I was. It was a wonderful experience. But a stylish hiker? Oh, nooooo! :) :) :)

      Thank you so much!

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  10. Hallo Sabine schön das du wieder da bist. Das ist eine tolle Leistung. Du kannst stolz auf dich/euch sein. Viele liebe Grüsse Beate S.

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    1. Hallo liebe Beate!

      Vielen lieben Dank. Das bin ich auch!

      Lieben Gruß und einen schönen Tag
      Sabine

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  11. Eine tolle Leistung ist das und zeigt, zu was man in der Lage sein kann. Deine mitgebrachten Fotos sind toll und bestimmt eine wunderbare Erinnerung.
    Liebe Grüße 😊

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    1. Vielen lieben Dank! Ich habe so viele Fotos gemacht und freue mich sehr darüber, bestimmt 600 Stück. Von den schönsten werde ich mir ein Album erstellen. Das schaut man sich dann doch öfter an, als die Fotos auf dem PC.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  12. Oh schon wieder zurück. Wie die Zeit vergeht! Das war eine tolle Leistung von Dir. Und bestimmt hast Du eindrucksvolle Erlebnisse gehabt. Der Wanderweg ist wohl so etwas wie eine Reise ins Ich.

    Liebe Grüße

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    1. Ja, die Zeit ist absolut gerast. Das kam mir gar nicht vor wie drei Wochen Urlaub. Aber das ist ja eigentlich immer so, oder?

      Eine Reise ins Ich? Das ist es auf eine Art irgendwie schon. Man läuft und läuft und denkt und denkt und irgendwie findet man doch einen Zugang zu sich. Nicht immer einfach, aber das hat auch keiner behauptet.

      Lieben Gruß
      Sabine

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  13. Wow, herzliche Gratulation! Die Frage Warum stelle ich mir schon im Vorfeld :-) und das mit den Socken und Gemeinschafts-Waschräumen, brrrr! Daran dachte ich noch gar nicht! Trotzdem finde ich es klasse das du es durchgezogen hast! Wozu es wirklich gut war wird sich sicher noch zeigen. Ich bin fest davon überzeugt das es der wertvollste Urlaub ist den man machen kann.
    GLG Natascha

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    1. Danke, liebe Natascha. Ja, du hast recht, wozu es gut ist, wird sich zeigen. Das fängt so langsam an, wenn ich zurückdenke und so einige Gedankenkonstrukte von der Reise weiterdenke. Ich bin gespannt, was da noch kommt.

      Lieben Gruß
      Sabine

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